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Menschen bei Bösch Boden Spies

„Unsere Mannschaft werde ich vermissen.“

Am 31. März hat er seinen Letzten: Heinz-Ulrich Bösch geht! 43 Jahre lang hat der gebürtige Hamburger Bösch Boden Spies geprägt, die meiste Zeit davon als geschäftsführender Gesellschafter. Im Interview spricht er über das Besondere an BBS, bedenkliche Entwicklungen der Branche und seine stille Liebe.

„Stallgeruch“, sagt Heinz-Ulrich Bösch, „hatte ich schon immer.“ Bereits als kleiner Junge erlebte er Geschäftskunden seines Vaters zu Hause. „Das hat natürlich die Neugier in mir geweckt“, beschreibt er seine Anfänge. Nach einem BWL-Studium absolvierte er folgerichtig eine Außenhandelsausbildung in einem Außenhandelsunternehmen und war danach jahrzehntelang als leidenschaftlicher und kompetenter Verkaufsexperte gefragt.

Jetzt hört Bösch auf. „Das stimmt nicht ganz“, betont der 67-Jährige. „Ich ziehe mich aus dem Tagesgeschäft und der Geschäftsführung zurück, bleibe aber weiter dem Unternehmen verbunden.“ Der dynamische Hamburger bezeichnet Bösch Boden Spies als sein Lebenswerk, an dem übrigens sein jüngerer Sohn seit fast fünf Jahren mitarbeitet. Die 4. Bösch-Generation ist also bereits mittendrin.

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Herr Bösch, Sie waren in den vergangenen Wochen noch mehr unterwegs als sonst. Waren Sie auf Abschiedstournee?

In verlängertem Urlaub verbunden mit Business – in Südafrika. Wir haben dort seit Jahrzehnten einen unserer wichtigsten Partner, sodass ich sehr oft unten war. So ist meine Liebe zu diesem Land entflammt. Wir unterstützen dort ein Sozialprojekt. Bösch Boden Spies unterstützt seit Jahren unterschiedliche Projekte in der Welt – Südafrika ist ein bisschen erste und dritte Welt in einem – und wir empfinden es geradezu als Pflicht des Unternehmers, sich dort sozial zu engagieren. Das möchte ich in Zukunft intensivieren.

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Was und wen unterstützen Sie genau?

„Dance for all“ heißt das Projekt, für das ich vorletztes Jahr einen Verein gegründet habe. Es ist im Grunde ein Township-Projekt, bei dem zurzeit 1.700 Kinder und Jugendliche in klassischem und modernem Ballett und in afrikanischen Tänzen unterrichtet werden, um ihnen andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Generell unterstützt BBS drei Projekte, denen sich die Gesellschafter verpflichtet fühlen: ein Projekt in Indien, eines in Südafrika und eines sozusagen vor der Haustür, in Hamburg.

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Am 31. März 2019 haben Sie Ihren offiziell letzten Arbeitstag. Was empfinden Sie bei dem Gedanken daran?

Wehmut und Freude. Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Der größte Gewinn, den ich aus dieser langen Zeit mitnehme, ist die Begegnung mit Menschen, glaube ich. Wir sind ja stark gewachsen über die Jahre. Als ich anfing, waren wir zu zwölft, jetzt sind wir mehr als zehnmal so viele. Die Menschen, Kollegen, Mitarbeiter, aber auch die vielen Kontakte, die man weltweit geschlossen hat, da sind tatsächlich Freundschaften entstanden, die auch über die Berufslaufbahn hinweg Bestand haben werden.

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Ist ‚Lust auf Menschen‘ eine Grundvoraussetzung für erfolgreichen Handel?

Ja, aber ich bin gespannt, wie sich alles weiterentwickelt. Durch die Konzentration im Handel zählen oft nur noch die Hard-Facts: „the price is right“ oder eben nicht. In den großen Organisationen werden die Leute ganz anders trainiert als bei uns, weniger praxisnah. Argumente wie Qualität geraten da mehr und mehr in den Hintergrund. Bei BBS dagegen schulen wir unsere Mitarbeiter, und sie haben ein sehr fundiertes Fachwissen über die Ware und deren Qualität.

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Wieso hat sich das so geändert?

Das ist der Zahn der Zeit. Es gibt keine Sentimentalitäten mehr. Jedes Unternehmen will im Wettbewerb bestehen und möglichst wachsen. Da zählen Argumente dann nicht. Aber wenn sich ein Verkaufsgespräch nur auf das Thema Preis runterbricht, ist das zu wenig. Man muss immer noch Argumente im Köcher haben, warum es nicht nur auf den Preis ankommt.
Mir macht Sorge, dass viele Partner im Handel nicht mehr die fachliche Ausbildung haben. Gerade bei Lebensmitteln ist das wichtig, denn sie werden von Mutter Natur hervorgebracht. Wie wir alle wissen, ist klimatisch kein Jahr wie das andere. Da muss man schon wissen, worauf es ankommt.

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Das wusste vermutlich auch schon Ihr Großvater Otto Bösch, der Unternehmensgründer. Wie haben Sie ihn in Erinnerung?

Ich habe ihn als sehr gütig erlebt. Das war zu seiner Zeit ein positives Attribut. Heute können sie mit Güte keinen Pfifferling mehr gewinnen. Das Geschäft ist rauer geworden. Er hat seine Geschäfte noch an der Börse gemacht, als Makler der Lieferanten, die dann ihren Prinzipalen in Übersee den Preis unterbreiteten. Unglaublich, wie sich die Kommunikationsmittel geändert haben. Die Revolution der Kommunikation ist vermutlich die größte Veränderung im Laufe meiner Jahre hier.

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Vermissen Sie die „gute alte Zeit“?

Nein, das nicht. E-Mails zum Beispiel sind doch toll. Aber die Schnelligkeit ist für uns auch ein Nachteil. Manchmal brauchten wir mehr Zeit, um unsere Partner in Übersee für gute Argumente zu gewinnen und sie auf das einzunorden, was sie hier für Erfolg brauchen.

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Was ist für Sie das Besondere an BBS?

Dass wir unsere Partner bewusst auswählen zum Beispiel. Aufgrund unserer Größe sind wir in der Lage, auch mal „Nein“ zu sagen. Vor zwanzig, dreißig Jahren sind wir rausgegangen, um Lieferanten zu akquirieren, heutzutage fragen uns Lieferanten nach einer Partnerschaft. Das hat sich gewandelt, weil wir konsequent sind in der Auswahl. Das wissen auch unsere Kunden. Ich erinnere mich an unseren Ausflug ins China-Geschäft: Das war vordergründig sexy, hatte aber einen Rattenschwanz an Negativem. Deswegen haben wir gesagt, wir setzen unsere Ressourcen lieber für unsere nachhaltigen, zuverlässigen Lieferanten ein.

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Was werden die größten Herausforderungen für Ihre Nachfolger sein?

Weiterhin gesunde Ingredienzen aus nachhaltigem Anbau anbieten zu können, die hier gefragt sind. Das ist das Wichtigste.

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Welche Werte möchten Sie der nächsten Generation mit auf den Weg geben?

Mit Leidenschaft dieses Geschäft zu betreiben – nach unserem früheren Slogan „Passion for food“. Und den familiären Charakter dieses Unternehmens zu erhalten, denn das macht die langfristige Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern aus: dass sie ein offenes Ohr von der Geschäftsleitung bekommen, dass wir uns um sie kümmern – um ihre Belange. Dass das nicht nur einfach ein Job ist, sondern wir jeden Einzelnen als wichtig erachten. Das spüren unsere Mitarbeiter auch. Deswegen bleiben sie lange bei uns.

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Was haben Sie sich für Ihr Leben nach BBS vorgenommen?

Ich habe verschiedene Ideen und Gedanken, hatte aber noch nicht die Zeit, konkreter zu werden. Denn wenn man sich anbietet, muss man auch zur Verfügung stehen. Reisen möchte ich weiterhin und auch mal neue Länder kennenlernen. Andere Kulturen und Mentalitäten haben mich immer fasziniert.

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Werden sie das Team von BBS vermissen?

Die Mannschaft werde ich sehr vermissen. Auf jeden Fall.

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Was wäre wohl ohne Bösch Boden Spies aus Ihnen geworden?

Vielleicht ein Architekt. Ein gut gebautes Gebäude ist schon etwas Fantastisches. Meine stille Liebe ist und bleibt die Architektur.